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Diese peinlichen Dance-Moves müssen wir jedes Wochenende ertragen

Josh Baines & Angus Harrison

„Sieh dich an, mit deinem flotten neuen T-Shirt, wie du wie ein verdammter Vater tanzt."

Tanzen also. Was soll das? Uns wird oft gesagt, dass die Leute in Clubs gehen, um zu tanzen, aber wer tanzt eigentlich wirklich noch? Ach ja, jeder außer uns, weil wir launische Unsympathen sind, die nicht wissen, wie man Spaß hat.

Wir stehen lieber an der Seite und sehen euch dabei zu, wie ihr Spaß habt, um dann nach Hause zu gehen und markige Sprüche darüber zu klopfen. Und genau das haben wir hier gemacht. Also ohne weitere Umschweife: Hier sind die Dance-Moves, die wir dieses Wochenende bestimmt von euch sehen werden.

Der Pistolenfinger

Es wäre jetzt einfach, auf jeden Kleinstadt-Trottel aus der oberen Mittelschicht einzuprügeln, der in einem abgedunkelten Raum plötzlich die unteren beiden Finger anwinkelt, Zeige- und Mittelfinger aneinander presst und zu einer leeren Drohgebärde erhebt. Aber das werden wir nicht tun, denn so fragwürdig das auch sein mag, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem unser Zeige- und Mittelfinger das automatisch macht. Wir haben kaum eine Wahl. Der Gunfinger ist zu einem Reflex geworden. Egal, ob du seit 2001 auf UK Garage stehst oder das Wort „Garage" dich eher an einen Ford Fiesta denken lässt: Sobald die BPM-Zahl ansteigt, kommt deine knöchrige Waffe zum Vorschein.
Fazit: Besoffen und/oder schwer zu ertragende Persönlichkeit.

Der doppelte Pistolenfinger

Der doppelte Pistolenfinger ist der etwas raffiniertere große Bruder des einfachen Pistolenfingers und findet normalerweise bei basslastigeren Klängen Anwendung. Die Pistolen werden dabei näher an die Brust gehalten und in rhythmischen Intervallen hervorgestoßen. Ein bisschen wie Clint Eastwood in Skaterschuhen.
Fazit: Siehe oben, mal zwei, plus Dubstep.

Der Boiler Room

Du hältst ein Bier. Du klammerst dich an das Bier, als wäre es der Mast eines sinkenden Schiffs, auf den ein wilder nordatlantischer Wind einpeitscht, um dich mit aller Kraft davonzublasen. Du klammerst dich an das Bier, dein Körper ist komplett stoisch, deine Augen starren streng nach vorne, dein Kopf wippt leicht wie eine Badeente auf der Oberfläche eines gerade eingelassenen Bads. Was auch immer du tust, lach jetzt bloß nicht—nicht cool.
Fazit: Naja, das hier reicht, oder?


Der „Ich tanze gar nicht wirklich, das ist ironisch"

Diese ganze Clubbing- und Tanz-Geschichte ist dir ein bisschen zu blöd, also verbringst du den Abend damit, im Prinzip so zu tanzen wie alle anderen, deine Arme umher zu werfen und mit deinen Füßen in alle möglichen Richtungen zu zeigen, nur dass du das alles mit einem süffisanten und ironischen Lächeln begleitest. Warum? Weil du über allem stehst. Das ist dir zu dämlich. Jeder, der wirklich Spaß hat, ist einfach nur ein verdammter Druffie.
Fazit: Du bist der Typ in der Schule, der mit seinem Sportlehrer befreundet war.

Der Auf-Freunde-Zeiger

Der ganze Sinn am Ausgehen ist, mit deinen Freunden zusammen zu sein, und was gäbe es für einen besseren Weg, dies zu bestätigen, als den ganzen Abend auf sie zu zeigen! Gerade läuft dieser geile Track — der, den ihr euch beim Vorglühen 14 Mal angehört habt, also setzt du jetzt einen Gesichtsausdruck auf, als wärest du total heiß drauf und zeigst auf all deine Kumpels, immer und immer wieder, während du mit der anderen Hand deinen billigen Drink verschüttest, bis zum Ende des Tracks. Dann kommt der nächste. Nachspülen und wiederholen.
Fazit: Du bist die Inkarnation von Phats & Smalls „Turn Around".

Der House-Trottel

Während Techno schon lange den Fist Pump hat, hat House nie eine signifikante Handbewegung für sich gefunden. Stattdessen wurde er dazu genötigt, sich mit einer Reihe von lahmen, feiernden, wellenförmigen Arm-, Hand-, und Daumenbewegungen herumzuplagen. Dadurch ist der House-Trottel entstanden. Adidas-Windbreaker in grellen Farben, Sonnenbrille auf, Hände ausgestreckt, die Arme völlig vom Takt losgelöst in die Luft gereckt.
Fazit: Du siehst aus wie ein evangelikaler Christ, der Grimassen zieht.

Fist Pump

Mit den Fäusten Löcher in die Luft zu schlagen hat einen schlechten Ruf und wir werden nie verstehen warum. Der Mensch ist dazu programmiert, zu bumsen, zu scheißen und Fäuste in die Luft zu werfen. Das ist einfach elementar. Frag einen Pfarrer, frag Richard Dawkins. Frag jeden und du wirst dasselbe zu hören bekommen. „Menschen, ja, das machen wir so: wir werden geboren, wir zahlen Steuern, wir scheißen, wir beschweren uns darüber, das nichts im Fernsehen kommt, obwohl wir ein Sky-Abo haben, wir schieben merkwürdige Nummern, wir sterben—und jedes Mal, wenn wir in einem Club eine Bassdrum hören, machen wir den Fist Pump." Du kannst der menschlichen Natur nicht widersprechen.
Fazit: Du verkörperst das Leben in seiner elementarsten Form, das ist ok.

Transzendenz

Weißt du was? Ich habe gerade ich einen ziemlich intensiven Moment. Die Drogen wirken, die Musik hat sich langsam aufgebaut und mich in ein einen Heißluftballon aus Zuckerwatte gen Himmel befördert. Ich fliege, ich fliege wirklich. Meine Augen sind geschlossen. Vielleicht gucken die Leute. Vielleicht stupsen sich meine Freunde gegenseitig an, aber weißt du was? Das ist mir egal. Ich fliege. Ich presse die Lippen aneinander, runzle die Stirn, meine Hand ist wie die eines Politikers während einer Rede, leicht erhoben und mit dem Beat abfallend. Das ist mein Moment.
Fazit: Wenn du das tust, siehst du aus wie ein sehr schüchterner Mann mittleren Alters, der ejakuliert.

Falsches Voguing

Letzte Woche hat Sophie aus deinem postmodernen Poesie-Seminar dich auf einen Kaffee mit zu ihr nach Hause genommen. Sie hat ihren Laptop angemacht. Sie ist zu Youtube gesurft. Du hast etwas gezuckt und bist innerlich zusammengeschreckt. Du hast ein falsches Lächeln für sie aufgesetzt. Es kann nicht so schlimm werden, hast du dir selbst gesagt. Was auch immer sie anmacht, es kann nicht so schlimm sein. Schlimmstenfalls ein Video, in dem jemand etwas pantomimisch zu einem R'n'B-Song darstellt oder so...nein, es ist ein Video von fka twigs. Sophie ist jetzt für dich am voguen. Du spürst, wie alles, was du jemals für sie gefühlt hast, von einem Moment auf den anderen weg ist. Du gehst. Am nächsten Abend siehst du sie im Studentenwohnheim, alleine, wie sie ihr Gesicht einrahmt. Sie ist wieder beim Voguing und du wünschst, Paris wäre ausgebrannt.
Fazit: Fremde kulturelle Rituale sind zum Aneignen ungeeignet, geht immer schief (siehe voxxclub)

Trap-Hände

Du bist so drauf. Du bist richtig aufgedreht. Nein, du bist überdreht. Heute geht es richtig ab. Dieser 170-BPM-Rihanna-Remix ist richtig heiß. Du hast gleich zwei Becher in der Hand. In einem ist Sizzurp. Naja, eigentlich ist es Jack Daniels mit Cola, aber nennen wir es Sizzurp, weil wir so drauf sind. Dann schwillt der Beat immer mehr an und du gehst richtig steil. Deine Arme formen sich zu rechten Winkeln und fangen an, sich vor und zurück zu bewegen, der Spirit von modernem HipHop vermischt mit moderner elektronischer Musik fließt durch deine Adern.
Fazit: Du wirkst ein bisschen wie ein Huhn, das der Bauer kopfüber an seinen Füßen festhält.

Der Vater

Das soll jetzt nicht wie der Anfang einer schlechten Comedy-Nummer klingen, aber Väter ... Tanzen Väter nicht lustig, wenn sie ein paar Bier auf der zweiten Hochzeit von Tante Uschi hatten? Väter, richtig, sie tanzen witzig. Sie tanzen genau so, wie du dir tanzende Väter vorstellst—so tanzen Väter. Stell es dir vor, genau, einen tanzenden Vater. Deinen Vater, genau, nur tanzend. Denk darüber nach. Präg dir dieses Bild genau ein. Das bist du. So tanzt du jedes Mal, wenn du versuchst zu tanzen. In den von Panik geprägten 30 Sekunden im Jahr, in denen du dein Smartphone im Club beiseite packst und loslässt, siehst du aus wie dein verdammter Vater. Nur dass dein Vater den Anstand hat, zu realisieren, dass der Versuch cool zu sein, mehr als zwecklos ist. Sieh dich an, mit deinem flotten neuen T-Shirt, wie du wie ein verdammter Vater tanzt.
Fazit: Du bist dein Vater. Dein tanzender Vater.

Also put on your dancing shoes, Leute!

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