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Die 10 besten Mixe 2015

THUMP Staff

THUMP Staff

Robert Hood, DJ Harvey und Nina Kraviz haben dieses Jahr vor allem mit ihren Mixen geprägt.

Online-Mixe sind allgegenwärtiger als je zuvor, was neugierigen Fans erlaubt, die besten Performances von Skrillex bis Ben Klock auszuchecken, ohne von der Couch aufstehen und ein Ticket für ein Festival zu kaufen oder sich vor dem Berghain anstellen zu müssen. Dieses Jahr war das Internet voll mit unzähligen wirklich richtig guten Sets und heute stellen wir dir zehn unserer Favoriten vor. Wofür du sie auch immer benutzt, dreh sie laut auf. Und falls du dich fragst, was wir gehört haben, wenn wir nicht gerade diese Sets gehört haben, dann check unsere Liste der 50 besten Tracks aus diesem Jahr aus.

10) Nina Kraviz - DJ Kicks

Kraviz hat sich, was das Produzieren angeht, dieses Jahr ziemlich zurückgehalten und den Fans nur einen Remix 12" ihres Neo-Klassikers „Ghetto Kraviz" geboten sowie ein paar Singles auf ihrem eigenen трип-Label. Also erscheint es nur passend, dass sie uns an ihren Fähigkeiten als DJ hat teilhaben lassen—dieses Mal mit einer ihrer bis jetzt bekanntesten Mix-CDs. Wenn sie will, kann Nina eine großartige Geschichtenerzählerin sein. Die Tracklist wartet mit Meistern wie DJ Bone, Fred P., Terrence Dixon und Plaid auf, genau wie mit ein paar Künstlern von ihrem Label. Das Ergebnis ist abenteuerlich und wirklich gut abgestimmt, mit schrägen zeitgenössischen Perlen, die sich neben einigen exzellenten 90er-IDM-Tracks wiederfinden.—Juan Pablo López

9) Prosumer - Beats in Space #801

Ich habe die meisten von Prosumers Beats in Space-Mixen für graue Wintertage archiviert. Ich bin immer begeistert von seiner Fähigkeit, Skye, St. Germain, Tuff City Kids und Dollska in ein einstündiges Set zu packen, das in sich stimmig ist—aber das ist die Kunst des einflussreichen Deutschen.—Joel Fowler

8) Teki Latex - Just Jam

[daily_motion src='//www.dailymotion.com/embed/video/x2y6htc' width='480' height='270']Teki Latex ist vielleicht einer der besten DJs, die in dieser Liste auftauchen. Hör dir seine Liveshows auf Rinse Frankreich an oder sieh in dir im Club an und was du hören wirst, ist ein Meister seiner Fachs—einen Technik-Zauberer, im Jeff-Mills-Sinne. Dieses Set, das im Mai als Teil der Just-Jam-Reihe aufgenommen wurde, ist ein erstklassiges Beispiel dafür, warum der Sound-Pellegrino-Mann so verehrt wird. Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden sonst auf dem Planeten Erde gibt, der innerhalb von 45 Minuten vom Fraxinus-Edit von „Doors to Manual" zu „Forever in Electric Dreams" gelangen kann und wenn es der Fall ist, dann auf jeden Fall nicht mit der Raffinesse und der Spannung von Teki Latex.—Josh Baines

7) Mike Servito - Dekmantel Podcast 019

Es gibt einen Grund, warum Bunker-Resident Mike Servito in den Underground-Kreisen, in denen er sich bewegt, Mike „Swerve"-ito genannt wird. Seine furchtlosen DJ-Sets—für gewöhnlich gewürzt mit einer kräftigen Prise Acid—bringen den Raum zuverlässig zum Kochen. Dieses Jahr ist der gebürtige Detroiter von einer lokalen Legende zu einer aufstrebenden Figur in internationalen Kreisen geworden und direkt auf Platz 90 in RAs oft kritisierten, aber immer noch respektierten Top 100 DJ Poll eingestiegen.

Dieser Vinyl-only-Mix, der auf zwei Technics 1200ern und einem Rane MP2015 Mixer in den Bunker Studios in New York aufgenommen wurde, war Servitos Lieblingsmix des Jahres, wie er mir per Mail mitteilte: „Ich denke, er repräsentiert mich in meinem wirklichen Element. Detroit-Elemente. Chicago-Elemente. Acid-Elemente. Alte und neue Tracks. Es ist von Beginn an ein sehr energiegeladener Mix. Ich neige dazu, von allem etwas zu machen, aber dieser Mix hat sich zusammenhängend und genau richtig angefühlt, als ich damit fertig war."

„Der Sound repräsentiert ziemlich genau, was ich dieses Jahr gespielt habe und die Tracks, die ich in meiner Tasche hatte", fügte er hinzu. „Ich denke, er ist die ganze Zeit ziemlich konstant. Er hat Wendungen und Drehungen und ein wenig Aggression." Aber mehr noch bringt mich dieser Mix dazu, dass ich das machen will, wobei ich Servito selbst schon viele Male beobachtet habe: Springen, mit den Fingern schnipsen und Schreien „Werk, hunny!"—Michelle Lhooq

6) DJ Harvey - Boiler Room

Die Ankündigung, dass DJ Harvey ein Set bei Boiler Room aufnehmen würde, war ein echter Grund für die Aufregung. Der Mann lebt quasi von vernebelten Räumen, Hörensagen und dem Mysterium. Seine Sets werden nicht bei Facebook geteilt; über sie wird mit Ehrfurcht gesprochen. Wie würde sich jemand, der so mythologisiert wird, unter dem unbarmherzigen Starren einer digitalen Kamera überhaupt machen? Die Antwort? Unglaublich. Harvey hat es irgendwie geschafft, die Regeln eines Livestreams zu verändern und ein normalerweise steriles Format zu einer Erfahrung zu machen, die uns davonträgt von den kalten Schlafzimmern und unaufgeräumten Schreibtischen um uns herum.. Aus der Mitte der Dunkelheit hat er einfach Platte um Platte des herzerweichendsten, Disco- und Balearic-Sound rausgehauen, den du dir vorstellen kannst. Platten, die du nirgendwo anders finden oder hören wirst. Eineinhalb Stunden eines Meisters bei der Arbeit.—Angus Harrison

5) Total Freedom - Rinse FM Podcast

Arca hat Total Freedom in einem vor Kurzem erschienenen Interview mit Pitchfork als „den König des Malens durch Chaos" bezeichnet. Er hat recht: Ashland Mines ist dafür bekannt, neben seinen eigenen wahnsinnigen Edits und Tracks von seinen Fade-to-Mind-Labelkollegen alles von Hardstyle über Chormusik bis zu brechendem Glas zu spielen. Es gibt weniger DJs, die so geschickt dabei sind, das Aggressive mit dem Sinnlichen zu vermischen—oder zwei Samples in einer Weise zu kombinieren, die dich etwas fühlen lässt, was du noch nie zuvor gefühlt hast (denk nur an die schrillen Horrorfilm-Schreie, die er oft an genau der richtigen Stelle einstreut und damit eine Prise unanständiger Ekstase über die Musik streut.) Wir haben Glück, dass es eine Aufnahme seines Sets bei Rinse im März gibt—ein zweistündiges Meisterstück, das nicht trotz sondern genau wegen seiner meisterhaften Experimentierfreude knallhart ist.—Alexander Iadarola

4) Function - Berghain 07

Unzählige Wellen von Presse-Ruhm sind in den letzten Jahren über das Berghain hereingebrochen, aber die einer Festung gleichenden Mauern sind unter diesem Schwall der Mainstream-Popularität nicht zusammengebrochen. Trotzdem ist die Messlatte für Underground-Club-Perfektion zu legen eine Herkulesaufgabe—eine, die verlangt, dass die Resident-DJs des Clubs jede Nacht ins Schwarze treffen, ohne sich einen Ausrutscher zu erlauben.

Diese Standards aufrechtzuerhalten, ist der Hauptgrund dafür, dass der Ruf des Clubs erhalten bleibt, was vielleicht der Grund ist, warum Function (alias Dave Sumner), als er gefragt wurde, die siebte Ausgabe von Berghains sagenumwobener Mixserie zu headlinen, dies als „das schwierigste Musikprojekt, an dem ich jemals gearbeitet habe" bezeichnet habe. Der Berghain-Resident, der 2007 von New York nach Berlin gezogen ist, ist der erste Nicht-Deutsche, der an dieser Serie mitgewirkt hat—die 90 Minuten voller aufwändig gestricktem und in perfekter Geschwindigkeit dargebotenem Techno, den er abgeliefert hat, hat jedoch den Beweis geliefert, dass er kein Außenseiter war. Der 30-Track-Mix beinhaltete Schwergewichte wie Silent Servant, Rodhad, DVS1 und Rrose, inklusive 17 Exklusivitäten, die so begehrt waren, dass sie später als Vinyl-EPs veröffentlicht wurden.

In einem Interview mit RA hat Sumner den Mix sowohl dem Berghain als auch dem Limelight gewidmet—dem New Yorker 90er-Jahre-Club, in dem er durch den Resident Jeff Mills erstmals den düsteren Kuss von Techno gespürt hat. „Das sind die einzigen beiden Clubs auf der Welt, die einen gewaltigen, lebensverändernden Einfluss auf mich hatten", so Sumner, „und die einzigen beiden Orte, an denen ich das Gefühl hatte, zuhause zu sein, als ich hineinging."—Michelle Lhooq

3) Robert Hood - Live a Weather

Eine der besten Sachen, die dieses Jahr passiert sind, fand auf einem Feld außerhalb von Paris an einem für die Jahreszeit ungewöhnlich kühlen Abend im Juni statt: Robert Hood, der als Floorplan gespielt hat, hat sich durch zwei Stunden an ekstatischem, unwirklichem House und Techno geprügelt. Die Legende der Clubkultur predigte von oben herab und durchbrach gewohnt souverän die zehn Gebote des Dancefloors. Robert Hood bei der Arbeit zuzusehen ist eine Übung in Selbsterfahrung Ist das nicht, wieso wir in Clubs und zu Festivals gehen und uns Mix nach Mix anhören—um etwas zu finden, das größer ist, als wir selbst? Ich habe es in dieser Nacht gefunden. Ich werde es nie vergessen.—Josh Baines

2) DJ Koze - DJ Kicks

Letzten März führte ich ein unangenehmes Telefoninterview mit DJ Koze, in dem der Hamburger Produzent und Gründer von Pampa Records sich eingestand, dass sein Album Amygdala wahrscheinlich das beste Album war, dass er je produzieren würde. „Meine Zeit ist vorbei", sagte er. „Ich muss jetzt Platz für die jüngere Generation machen." DJ Koze ist ein eingefleischtes Schlitzohr, also ging ich davon aus, dass er mich auf den Arm nahm, als er das erzählte. Als er ein paar Monate später seinen DJ Kicks-Mix veröffentlichte, wusste ich, dass er das getan hatte.

Passenderweise gibt es in diesem Set jede Menge Humor: Eine computerisierte Willkommens-Nachricht von jemandem, der behauptet, der Nachbar von DJ Koze zu sein; Track-IDs von einem deutschsprachigen Kleinkind; ein William-Shatner-Track, produziert von Ben Folds. Aber Koze hat mehr geleistet als uns zum Lachen zu bringen, jedem noch so kleinen Kichern folgt ein augenöffnender Moment musikalischer Wertschätzung—oft von Musikern, von denen wir nie gehört haben oder die wir nie von Koze erwartet hätten: Madlib aus der kalifornischen Beat-Szene, die britischen Broadcast bis hin zu den Cloud-Rappeln cLOUDDED und hawaiianischer Musik. Er geht mit all diesen Sachen genau so um, wie mit seinen Produktionen, als würde er uns auf eine geführte Tour durch ein paar der besten Platten in seiner Kollektion durchführen und dabei flüstern, statt sprechen, damit man die Songs besser versteht.—Emilie Friedlander

1) Four Tet & Floating Points - Final Plastic People Mix

Plastic People war jahrelang eine der tragenden Säulen der Kultur britischer elektronischer Musik und das Zuhause szenendefinierender Nächte, wie der Dubstep-Party FWD>>>. Als der Club ankündigte, dass er im Januar des vergangenen Jahres schließen würde, entschieden sich Four Tet und Floating Points—zwei DJs, die dank der Zeit, die sie dort verbrachten, zu dem wurden, was sie heute sind—ihm einen gebürtigen Abschied zu bereiten: Back2Back spielten sie sechs Stunden für die Crowd.

Sie starteten mit brasilianischer Musik, gingen dann schließlich zu „Pinnacle" von Four Tet über, das dort zum ersten und letzten Mal gespielt wurde. (Four Tet produzierte 2010 einen Track, der nach dem Club benannt war, spielte aber „Plastic Situation" statt diesen.) Wir hören außerdem die Vacuum Boogie EP von Floating Points, Klassiker von Freunden, wie Daphni und Joy Orbison, außerdem Jimi Hendrix, J Dilla, ein bisschen Chicago House und natürlich UK Dubstep. „Zu sagen, dass dieser Ort in der Formierung unserer eigenen Musik fundamental war, wäre eine absolute Untertreibung", steht bei dem Mix. Indem sie die Tracks zelebrierten, die ihren eigenen abenteuerlichen Verläufe inspirierten, erinnerten uns Four Tet und Floating Points daran, dass die besten DJ-Sets mehr sind, als nur der Soundtrack zur Party. Sie sind eine Reflektion der Leute, die die Party großartig machen.—David Garber

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Foto von Joel Fowler, Design von Christopher Classens. Drum machine featured Elektron Analog Rytm.