Festivals

9 Euro Gewinn pro Pille – Einblicke in die Arbeit eines Festival-Dealers

Wir haben uns mit Federico auf einem deutschen Festival über neuartiges Donald Trump Ecstasy, Ware aus Indien und sein ausgeklügeltes Orgasystem unterhalten.

Philipp Kutter

Photo by Michael Segalov (Symbolfoto)

Neulich auf einem größeren Festival in Deutschland. Es ist Nachmittag, meine Begleitung und ich kommen langsam in die Musik, als ein junger Typ fragt: "Do you need something?" Club- und festivalerfahren wie wir sind, wissen wir natürlich, dass es um Drogen geht. Nein Danke, wir brauchen nichts. Der junge Mann zieht weiter, fragt fast jeden auf der Tanzfläche, aber es gibt keinen Bedarf.

Das ist also ein Festivaldealer, denke ich. Mich packt das Interesse an diesem Job. Ich nehme die Verfolgung auf, um ihn zu fragen, wie das eigentlich so läuft mit dem Drogenverkauf bei so einer Veranstaltung. Sind die Drogen irgendwo verbuddelt? Oder gar fahrlässig im Zelt oder Auto?

Am Rand der Tanzfläche spreche ihn an, er kann zwar kein Englisch, aber gibt mir per Handzeichen zu verstehen, dass er jemanden anruft. Wenige Sekunden später steht ein mittelgroßer junger Mann namens Federico* vor mir. Ich erzähle ihm, dass ich von VICE bin und mit einem Dealer über das Festivalgeschäft reden möchte. "Von VICE?", fragt er mich freudestrahlend und erzählt das seinem Helfer auf Italienisch, der sofort ein Selfie mit mir macht.


Aus dem VICE-Netzwerk: Die Wahrheit über Ecstasy


Federico* ist Italiener und lebt in Berlin, wie er mir etwas abseits des Geschehens erzählt. Er verkauft nicht nur auf deutschen Festivals Drogen, sondern auch in den Clubs der Hauptstadt. "Ich mach das aber nicht systematisch, ich mag die Musik auf den Festivals und verdiene mir was dazu." Grinsend fügt er hinzu: "Die Frauen mag ich auch." Angst, von den Bullen erwischt zu werden, hat er laut eigenem Bekunden keine. "Die deutsche Polizei ist nicht so gut wie in Italien. Das gilt auch für die Security. In Italien verkaufe ich auch gar nicht, die Strafen sind zu hoch."

Er hat diverse Substanzen im Angebot: MDMA, Ecstasy, Ketamin, Kokain, 2-CB, Opium, Gras und Hasch. Die dringendste Frage ist natürlich, wo er das ganze Zeug versteckt hat. Die Antwort ist viel naheliegender, er zeigt auf seine Hose, kurz unter den Gürtel. "Ich habe alles am Körper, in meiner Unterhose." OK, alles klar. "Die Sicherheitsleute hier kontrollieren nicht, was du in deiner Unterhose hast. In Italien wirst du überall kontrolliert, in der Unterwäsche und den Schuhen zum Beispiel."

"Aber so viel passt doch selbst in die größte Unterhose nicht rein", merke ich wiederum kritisch unter dem Eindruck einiger Biere an. "Ich hab Leute auf dem Festivalgelände und außerhalb, die mich mit Nachschub versorgen", erzählt Federico. Hergebracht haben sie ihr Sortiment per Zug. Wie groß ist das eigentlich? Federico muss kurz überlegen: "Ich habe insgesamt ungefähr 3.000 Pillen und etliche Gramm Kokain, Ketamin und MDMA mitgenommen." 3.000 Pillen? Das klingt krass und führt mich zur Frage nach den Preisen auf. "Das MDMA kaufe ich für sechs Euro pro Gramm ein und verkaufe es für 80 Euro. Die Pillen kosten im Einkauf einen Euro und ich biete sie für 10 Euro an", sagt Federico in einem kaufmännischen Ton. 9 Euro Profit also. Das bedeutet, dass der junge Italiener alleine mit den Pillen an diesem Wochenende 27.000 Euro Gewinn machen könnte. Wobei natürlich auch noch ein paar Kosten für die Fahrt abgezogen werden müssen.

Aber was sind das für Pillen, die Federico anbietet? Ganz neu reinbekommen hat er die orangene Donald Trump Ecstasy, über deren genaue Zusammensetzung noch nichts bekannt ist. Außerdem hat er zum Beispiel verschiedene Tesla. Mehr als mir zu sagen, dass alle diese Pressungen sehr stark sind, kann er allerdings nicht. "Ich kaufe nur das beste, reinste MDMA und die besten Pillen." Was sollte ein Dealer auch anderes sagen? "Das Kokain kommt aus Spanien, genau wie das Opium. Das Ketamin aus Indien", erzählt er weiter. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich in dem Moment nicht.

Was ich aber weiß ist, dass du fernab der doch recht happigen Preise aus Safer Use Gründen ohnehin nicht von einem unbekannten Dealer auf einem Festival kaufen solltest. Drogenberatungen wie der Fixpunkt raten dazu, nur beim Dealer deines Vertrauens zu kaufen. Denn im besten Fall weiß der über die angebotenen Substanzen Bescheid und du kannst ihm Rückmeldung geben, wie die Wirkung war. Außerdem hat er im Idealfall ein längeres Interesse an seinen Kunden und will nicht nur kurz auf dem Festival ein bisschen beziehungsweise sehr viel Kohle machen.

*Name von der Redaktion geändert

Unbedarfter Drogenkonsum kann schwere körperliche und psychische Schäden verursachen. THUMP will dich nicht zum Konsum animieren, wohl aber dazu, dass du dich, solltest du Drogen nehmen, möglichst gut darüber informierst. Alle unsere Artikel zum Thema "Safer Use" findest du hier.

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