Die 13 besten Horrorfilm-Soundtracks aller Zeiten

Das Horror-Genre wird oft mit ganz besonderer Musik unterlegt. Diese Kompositionen bringen dich sofort in Halloween-Stimmung.

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Okt. 28 2016, 3:15pm

Illustrationen von Ben Ruby. Dieser Artikel ist zuerst bei THUMP US erschienen

Seit vor einem halben Jahrhundert die ersten Synthesizer in die Massenproduktion gingen, ist elektronische Musik unzertrennbar mit der Geschichte des Horrorfilms verbunden. Experimental-Komponisten, Psychedelic-Enthusiasten und Dancefloor-Zerstörer waren damit beschäftigt, die grenzenlosen Möglichkeiten der elektronischen Instrumentierung zu ergründen, für die Filmindustrie erwies sich die neue Technologie als praktischer Weg, einfachere und billige Produktionen klanglich zu untermalen. Die Erfindung erlaubte ihnen, einen erschwinglichen Soundtrack von einem einzelnen Komponisten zu bekommen, anstatt einen ganzen Stab an Musikern und Komponisten zu engagieren. In vielen Fällen war sogar der Regisseur des Films selbst für die Filmmusik verantwortlich.

Aufgrund dieser funktionalen Gesichtspunkte, aber auch wegen der unbegrenzten Möglichkeiten, die die Instrumente boten, wurden Synthesizer-Kompositionen in den 70ern und 80ern zum Standard im Horror-Bereich und führten zu einer leidenschaftlichen Beziehung zwischen elektronischer Musik und diesen Genrefilmen, die bis heute anhält. Da es sowohl innerhalb als auch außerhalb der Filmindustrie eine neue Generation von Nostalgikern gibt, die durch den Oszillator-Grusel des Genres beeinflusst werden, könnte die Zeit nicht besser sein, um auf die Musik zurückzublicken, die in den letzten paar Jahrzehnten durch Horror-Soundtracks entstanden ist. Von lustwandlerisch düsterem Funk über kosmischen Ambient bis zu zerstörerischem Industrial-Terror. Und da auch noch Halloween vor der Tür steht, haben wir bei THUMP die 13 besten Horrorfilm-Soundtracks zusammengestellt, die mit elektronischen Instrumenten erschaffen wurden.

13. Possession (1981)

Die ausgeflippten Klänge, die im Director's Cut von Andrzej Zulawskis Possession zu hören sind, jagen einem beinahe durchgängig Schauer über den Rücken, gegen Ende des Films gibt es jedoch den Hinweis auf etwas Vielschichtigeres. Kurz vor der dem Höhepunkt, der Verfolgungsszene, lässt Komponist Andrzej Korzynski die Art von sanftem Drumcomputer und neongefärbte Electro-Synthie-Lines los, die in den Jahren nach der Veröffentlichung 1981 auch im Club nicht Fehl am Platz gewesen wären.

Es ist einer der wenigen heiteren Momente, die ihren Weg in den Soundtrack gefunden haben, das Reissue auf Finders Keepers aus dem Jahr 2012 hat allerdings die Tatsache zu Tage befördert, dass Korzynski ursprünglich doppelt so viele Klänge aufgenommen hat, wie es tatsächlich in den Film geschafft haben. Darauf waren einige der ersten Versuche der elektronischen Komposition von Korzynski zu finden, seine Versuche schienen jedoch die viele synthesizerbasierte Clubmusik vorauszuahnen, die im Laufe des folgenden Jahrzehnts entstehen sollte. Es ist schwer, zu spekulieren, warum Zulawski diese letztendlich aus dem Film strich, aber vielleicht hatte er beschlossen, dass seine Sexszenen bereits düster und zwielichtig genug sind.—Colin Joyce

12. Candyman (1992)

Der weltbekannte Minimal-Music-Komponist Philip Glass hat Filme wie Koyaanisqatsi und The Hours mit hypnotischen Klanglandschaften ausgestattet, abgesehen vom Soundtrack zu Bernard Roses Candyman hat er jedoch nicht viel im Horror-Bereich gemacht. Dieser Soundtrack stellt in gewisser Weise eine Ausnahme dar, weil es streng genommen keine Synthesizer-Filmmusik ist, aber die schnaufenden Orgel- und Klavier-Parts verlaufen parallel zur Tradition der Synthie-Horrormusik, die davor kam und hat viele der experimentell ausgerichteten Filmkomponisten, die danach kamen, beeinflusst.

Das Schreckgespenst namens Candyman, das dem Film seinen Titel verliehen hat, taucht immer dann auf, wenn jemand seinen Namen fünf Mal vor einem Spiegel ruft. Diese Thematik spiegelt sich darin wieder, dass Glass Chorgesang nutzt, um den Zuschauer während des Films zu gruseln. Glass' charakteristischer Orchester-Sound stellt uns die "heile" akademische Welt vor, da eine Doktorandin für eine Arbeit zu urbanen Legenden recherchiert. Doch der Hauch des Schaurigen lockt den Zuseher in die gewalttätigen Schattenseiten der Stadt und ruft die übernatürliche und animalische Gewalt des Candyman hervor. Der Effekt ist etwas intellektueller und entfernter als der durchschnittliche Horrorfilm-Soundtrack, aber die Musik hat eine hinterhältige, halluzinogene Qualität, die Candymans Stimme aus dem Off noch furchteinflößender macht.—Tina Hassannia

11. The Legend of Hell House (1973)

Die bekannteste Arbeit von Delia Derbyshire—die elektronische Interpretation des Doctor Who-Themas, das 20 Jahre lang als Eröffnungsmelodie diente (und wofür ihr nebenbei bemerkt der Credit verwehrt wurde)—war nur der Anfang ihres Flirts mit dem Übernatürlichen. Brian Hodgsons, mit dem sie zusammenarbeitete, spielt ihren Beitrag für die Filmmusik zu The Legend of Hell House erneut runter, aber wie auch immer die Arbeitsteilung aussah, zusammen haben die beiden das Potenzial des Synthesizers zur Beschwörung des Übernatürlichen erforscht. Die meisten Klänge sind hochfrequentig, atonal und kratzig plätscherndes Electro-Rauschen. Sie passen genau zur paranoiden Atmosphäre des Filmes, einer von vielen dieses Genres, in denen die Umgebung der wahre Feind ist.—Colin Joyce

10. Angst (1983)

Klaus Schulzes Soundtrack für den mörderischen Film Angst aus Österreich stellt den seltenen Fall dar, in dem die schwindelerregenden Reize eines Soundtracks—und seine recht weit verbreitete Verfügbarkeit—ihn populärer gemacht haben als den Film selbst. Vielleicht ist der Grund dafür, dass es eine Art angstvoller Ausreißer in Schulzes Ansammlung treibender Synthie-Arbeiten ist. Vielleicht um ein wenig mehr Panik hervorzurufen als gewöhnlich, erlaubt er sich auf Tracks wie "Pain" und "Surrender" etwas mehr Trieb, indem er mit den mechanischen Schlägen eines Drumcomputers seine oftmals astrale Synthie-Arbeit erdet. Es ist auf eigene Art unruhig, ein Beispiel für die Art, wie das Rechnen mit dem Entsetzlichen dich unwiderruflich verändern kann.—Colin Joyce

9. Phantasm (1979)

Es gibt viele Gründe, warum Phantasm ein Aushängeschild des Spät-70er-Horrorfilms ist. Es war nicht nur der erste wirkliche Erfolg des talentierten Filmemachers Don Coscarelli, er hat auch das Vermächtnis des Tall Man erschaffen, dem bösen, ikonischen Bestatter mit seinen Sphören des Todes. Coscarellis Freunde Fred Myron und Malcolm Seagrave nahmen sich des Soundtracks an und haben eine Filmmusik geschrieben, der mit Goblins Progrock-Klängen und Liebe für wiederkehrende Motive flirtete. Die Musik erschafft eine ausgeprägt jenseitige Atmosphäre, die perfekt zum Tall Man und seinen Lakaien passt.—Ian Stanley

8. Maniac (2012)

Franck Khalfouns furchteinflößendes Remake von William Lustigs Maniac von 1980 aus dem Jahr 2012 ist in gewisser Weise eine Lehrstunde darin, wie man auf erfolgreiche Weise einen Horrorfilm neu verfilmt: Nimm den ursprünglichen Grundgedanken, dreh ihn um und schau ihn dir aus einem komplett anderem Blickwinkel an. Der Film, dessen Soundtrack vom französischen Musiker Robin Coudert, aka Rob, komponiert wurde, erforscht die dunkelsten Ecken von Los Angeles mit den Augen eines Serienkillers. Der gesamte Film ist aus seiner mörderischen POV-Perspektive gedreht. Es ist ein dunkles, brutales Abenteuer, das sich nicht zurückhält bei dem, was es dem Publikum zeigt. Robs Filmmusik—die auf pulsierenden Beats und eindringlichen Melodien beruht—hilft dabei, die explizite Gewalt auf düster schöne Weise einzurahmen.—Ian Stanley

7. The Fog (1980)

In The Fog dient das perkussive Synthesizer-Pulsieren, das an diesem Zeitpunkt John Carpenters Markenzeichen geworden war, einem höheren Zweck als nur der Atmosphäre. Wie die tickende Uhr in der Eröffnungsszene andeutet, ist The Fog ein Film, der von Zeit besessen ist, beziehungsweise davon, dass die Zeit langsam davon läuft. Während der titelgebende Nebel immer näher kommt und droht, die Charaktere einzuhüllen, verschärft die Filmmusik das Momentum mit jeder unheilvollen Moog-Phrase. Carpenter nutzt unregelmäßige Einschübe aus Atonalität und Krach als Indikatoren für die übernatürliche Form des formlosen Bösen, längere Akkorde spiegeln die schleichende, überdeckende Natur des Nebels wieder—niederschmetternde Erinnerungen daran, dass es in dieser Art von Film kein Entkommen gibt, nachdem die Zeit abgelaufen ist.—Tina Hassania

6. Chopping Mall (1986)

Ein Film über einen nicht richtig funktionierenden Security-Roboter, der ein Blutbad in einer Shopping Mall anrichtet, verspricht natürlich nichts anderes als puren Spaß und Chuck Cirinos kränklicher Funk-Soundtrack zu Chopping Mall passt genau zu dieser Absurdität. Die klappernden Percussions und die schummrigen Synthesizer-Arbeiten spiegeln die Techno-Dystopie des Konzepts wieder, es fällt allerdings schwer, ernst zu bleiben, wenn die seltsamen Schübe aufgekratzter Arpeggios und Schnellfeuer-Synthie-Glocken während den spannendsten Momenten des Films einsetzen. Es ist ein Werk zügelloser, wenig selbstkritischer und unverfrorener Freude, die so süß und klebrig ist wie der rotgefärbte Maissirup, der in Filmen wie diesen oft als Kunstblut dient.—Colin Joyce

5. Under the Skin (2014)

Die klassisch ausgebildete britische Multi-Instrumentalistin Mica Levi hat mit ihrer Band Micachu & The Shapes zwar bereits einige experimentelle Pop-Platten veröffentlicht und mit jedem von Dean Blunt bis Toddla T zusammengearbeitet, Under The Skin stellt jedoch ihren ersten Ausflug in die Welt der Filmmusik dar. Der SciFi-Film aus dem Jahr 2014 wurde von Jonathan Glazer gedreht und in der Hauptrolle ist Scarlett Johansson als außerirdischer Sukkubus zu sehen, der unglückliche schottische Reisende in einen schwarzen Schlamm lockt. Levis Score ist auf ähnliche Art nicht von dieser Welt; langsam und verdreht, Aufnahmen von klirrenden Mikrofonen, minimale Percussion und kreischende Geigen erschaffen den atonalen Hintergrund für Scarlett Johanssons faszinierenden Charakter.

In einem Interview mit THUMP sagte die Komponistin 2014, dass der Rat des Regisseurs an sie war, "[Johanssons] Figur in Echtzeit zu folgen". "Er hatte seine Vorstellung, wie die Musik sein sollte und ich musste wirklich darin eintauchen", sagte sie. "Ich musste mich in sie hineinversetzen; welche Gefühle sie vielleicht haben könnte, und wie sie denken—um letztendlich das Richtige für sie zu machen".—Max Mertens

4. Day of the Dead (1985)

Day of the Dead wurde zu George Romeros Meisterwerk. Nachdem er mit Night of the Living Dead und später Dawn of the Dead bereits den Weg dafür geebnet hatte, war Romero bereit, sein großartigstes kulturelles Statement über die menschliche Natur zu machen. Die mäßigen Reaktionen von Fans und Kritikern auf den mit kleinem Budget produzierten Film, machten die Bedeutung des Films zunächst zu Nichte. In den darauffolgenden Jahrzehnten fand Day of the Dead aber zunehmend Symathisanten, was zumindest zum Teil auch an dem dem merkwürdigen Soundtrack des Komponisten John Harrison liegt. Nachdem die Band Goblin für Dawn of the Dead eine sehr durchmischte Musik beisteuerte, stach Harrisons Komposition für Day of the Dead nicht nur wegen seiner immer wiederkehrenden Motive heraus, sondern auch weil sie fernab des gruseligen Kontextes des Filmes geradezu freundlich klingt.—Ian Stanley

3. Suspiria (1977)

Die Filmmusik der italienischen Prog-Horror-Band Goblin für Dario Argentos Suspiria ist so sehr mit dem Film verbunden, dass es fast schon zu unheimlich ist, sie ohne die dazugehörigen Bilder zu hören. Die Band huldigt Bernhard Herrmanns orchestraler Musik für Hitchcocks Psycho und den seltsamen Effekten auf den Vocals aus dem Exorzist. Aber Goblin kreieren auch ihre eigene Kakophonie aus qualvollen Tönen und übernatürlichen Klängen. Diese elektroakustischen Kompositionen sind die ersten Auftritte von Synthesizern in Horrorfilmen und betonen eine der beständigsten Quellen von Terror in dem Genre: das Gefühl, da etwas Böses hinter dem Alltäglichen lauert, wenn du nur genau genug hinsiehst.Tina Hassannia

2. Nosferatu (1978)

Der Komponist Florian Fricke hat ein ums andere Mal sein beeindruckendes Talent für Filme von Werner Herzog zur Verfügung gestellt. Für Nosferatu aus dem Jahre 1978 schrieb Frickes Band Popol Vuh komplexeres Material als je zuvor. Die Musik setzt sich über weite Strecken aus den beiden Komponenten zusammen, die zum Fundament der Band werden sollten: himmlische Kirchenchöre und Sitar-Figuren, die alles wie ein Spinnennetz zusammenhalten. Allerdings ist zugleich auch Raum für die elektronischen Experimente aus der Frühphase der Band. Inmitten dieser kompositionellen Größe, wirken die wenigen Moog-Einlagen von Fricke besonders karg und einsam. Die Gruseligkeit ist in jedem Moment präsent—in dem Wissen, dass die einzelnen Elemente eigentlich voller Leben sein sollten, es aber nicht sind—Colin Joyce

1. The Keep (1983)

Durch die wandelbare Gestalt ihrer Synth-Kompositionen was das Berliner Musikkollektiv Tangerine Dream prädestiniert für unzählige Filmsoundtracks. Aber wenige ihrer Beiträge sind derartig bewegend wie ihre Arbeit für Michael Manns The Keep. Nur 300 Exemplare wurden von der Komposition gepresst, lediglich Bootlegs haben die Nachfrage in der Folgezeit etwas befriedigen können. Mann wollte von seinem Film ab dem Veröffentlichungsdatum nichts mehr wissen und lizenzrechtliche Probleme machen es fast unmöglich, eine Originalversion zu bekommen. Aber die Musik ist die vielfältigste, die Tangerine Dream je veröffentlicht haben.

Natürlich gibt es auf der einen Seite die unverkennbaren Elemente der Gruppe: die Leichtigkeit und die existentiell bohrenden Synthesizerspuren, die von vielen Komponisten bis heute imitiert und in diesem Soundtrack bis ins absolute Delirium ausgereizt werden. Es gibt schwindelig machende Gitarrensoli, beinahe discoide Erschütterungen und höllische Sinkflüge in atonale Störgeräusche. Es ist zugleich albern und düster. erfreulich und beängstigend—die Art von wohlüberlegter und revisionistischer Vision des Genres, die herauskommt. wenn wichtige Akteure die Last von Jahrzehnten von Konvention auf sich nehmen.—Colin Joyce

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