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      In kleinen Clubs hast du immer mehr Spaß als in großen

      Nur in kleinen Clubs: Bar immer nah, Atmosphäre bestens. Foto: Jan Käpitän

      Jeder kennt die großen Clubs in den Zentren der Partykultur und Städten. Mit einem Fassungsvermögen von 300 Leuten aufwärts, oft auf mehrere Floors verteilt, ziehen Techno-Tempel und Großraumdiskotheken die Massen. Es gibt sogar eine musikalische Ästhetik, die sich nur darauf ausrichtet, den Big Room-Sound. Aber muss es immer der große Club sein? Schließlich gibt eine Vielzahl guter, oft auch etwas versteckter Locations gleich um die Ecke. Sie alle befolgen eine simple Formel: eine Bar plus eine kleine Tanzfläche, fertig. In Köln gab es früher das alt-ehrwürdige Stecken, in Hamburg den Keller vom Golem oder seit ein paar Monaten das PAL, in Berlin das Bohnengold, die Loftus Hall, den Farbfernseher, die Paloma-Bar, und, und, und. Immer wieder legen hier auch auf namhafte DJs auf, die sonst die großen Adressen bespielen.

      Warum ist das so? Weil sie wissen, dass kleine Clubs die besseren Clubs sind. Weil du hier einfach den größten Spaß hast—aus den folgenden sieben Gründen:

      Eintritt und Getränke sind deutlich günstiger

      Vielleicht ist es nur unser pessimistischer Eindruck und ein Zeichen unseres Alterns, aber: Der Eintritt in Clubs wird doch immer teurer, findest du nicht? Ja klar, dafür kann man in manchen Läden dann auch immer drei Tage lang bleiben. Aber will man das immer? Will man das überhaupt? Ist Quantität gleich Qualität? Ist hier ein Physiker anwesend? Kleine Clubs stellen hier ein geringes Risiko dar. Der Eintritt ist meistens gering—Stichwort: „DJ-Euro"—oder gleich Null. Wenn du keine Lust mehr hast, zu bleiben, was selten vorkommen wird, plagen dich keine Gedanken über den hohen Eintritt, der sich ja irgendwie rechnen muss, so wie ein Pauschalurlaub mit All Inclusive Paket. Den gesparten Eintritt kannst du in den kleinen Läden dann prima für Getränke ausgeben.

      Der Weg zur Bar ist deutlich kürzer

      Du kennst das sicherlich. Kaum bist du auf der Tanzfläche angekommen, hast dich an schwitzenden Wursthaarträgern vorbei gequetscht, die grad ihren Bedeutungstanz machen, da ist dein Bier auch schon wieder alle. Also Kommando zurück. Vorbei an irgendwelchen hippen Bartträgern, die keinen Spaß zu haben scheinen, hin zur Bar. Dort stehen dann irgendwelche Agenturensöhne direkt vor der Theke, obwohl sie schon seit Stunden an ihrem Longdrink nippen und auch nur zur Seite gehen, wenn du sie (natürlich aus Versehen) leicht anrempelst. An der Bar angekommen musst du nur noch die Aufmerksamkeit des Barpersonals bekommen. Was nicht so einfach ist, manche Barkeeper ignorieren dich scheinbar absichtlich. Endlich drangekommen bestellst du gleich je ein Bier und ein Schnaps für dich und einen Freund. „Das macht dann 14 Euro." Schönen Dank auch, denkst du dir, während du zurück zur Tanzfläche läufst und dabei den halben Shot verkippst. Na toll, da hättest du auch drei Euro sparen können.

      In kleinen Clubs musst du nicht auf eine solche Wanderung gehen, um zur Bar zu kommen. Der Weg dorthin ist meistens entspannter, weil die Leute nicht in diesem Modus von Ich-muss-mich-selbst-verwirklichen-deswegen-tanz-ich-ganz-verrückt-mit-geschlossen-Augen sind. Falls an der Bar jemand im Weg steht, reagiert er oder sie meistens entspannter. Wer einen kleinen Club aufsucht, sieht die Dinge lockerer und macht auch mal Platz. Meistens sind es vom Sozial-Typus her Menschen, die auch gerne gemütlich in Kneipen gehen—und nicht auf einen 48-Stunden-Rave mit Sportklamotten und ironischem Turnbeutel. Und die Preise der Getränke sind ebenfalls auf Kneipen-Niveau. Das heißt: Sie sind deutlich günstiger als im Club.

      Du verlierst deine Freunde nicht so schnell

      Wenn du von der Bar oder der Toilette zurückkommst, passiert es sehr leicht, dass du deine Freunde nicht mehr wieder findest. Entweder, weil du gerade zu viel Spaß hast und nicht mal mehr weißt, in welchem Raum ihr vorher gewesen seid. Oder aber: Alles sieht gleich aus und das Licht ist komisch dunkel. Dann wird es schwierig. Du rennst rum, guckst mehrmals in den gleichen Ecken. Das kann je nach Größe des Clubs Ewigkeiten dauern, weil irgendwer sowieso wieder kein Handy dabei hat, es nicht hört, verloren hat oder der Akku wieder leer ist, obwohl er kurz vorher aufgeladen wurde. Währenddessen laufen deine Freunde vielleicht auch rum und suchen dich. Ein Teufelskreis. In einem kleinen Club kann dir das nicht passieren, das ist raumtheoretisch unmöglich. Irgendwann findet ihr euch alle wieder.

      Wenn du genug Freunde mitbringst, hast du deine eigene Privat-Party

      Mit etwas Geschick kannst du die Tanzfläche mit deinen Freunden vereinnahmen und den oder die DJ für dich und deine Freunde auflegen lassen. Das setzt natürlich etwas Erfahrung und Planung voraus. Wann kommen die meisten Leute? Wann ist genug Platz für mich und meine Leute? (Tipp: Es ist nicht die Zeit, wenn die meisten Leute kommen.) Natürlich darfst du auch in kleinen Clubs nicht die Ursünde aller Anfänger in Sachen Clubbing machen und dich mit 20 Leuten (am besten nur Männer) in die Schlange stellen. Teilt euch in Kleingruppen auf. Und: Da wir leider immer noch in einer sehr heteronormativen geprägten Gesellschaft leben, muss das Geschlechterverhältnis meistens auch ausgewogen sein. Falls alles klappt, hast du am Ende eine WG-Party mit (wie immer) ein paar Leuten, die du noch nie gesehen hast. Und du musst am nächsten Tag nicht aufräumen.

      Die DJs sind besser

      Wenn du ehrlich bist: Die ganzen bekannten DJs sind doch langweilig. Dixon und Âme klingen immer gleich, egal welche Sets du dir anhörst. Keine Überraschung, keine Genre-Wechsel. Zudem spielen sie immer in den großen Venues, wo sich alle halb zu Tode quetschen, weil jeder dabei sein will, um es am nächsten Tag (ungefragt) seinen Freunden zu erzählen. In vielen der kleiner Clubs mit Bar spielen DJs, die keine Anfänger sind, aber auch noch nicht zu den professionellen Drop-In-Serviceleistern gehören. Sie wissen, dass sie das Publikum überzeugen müssen, damit es tanzt, dennoch legen sie nicht permanent Konsens-Platten auf und wechseln auch mal die Stilrichtung. Weil die Tanzfläche gut zu überblicken ist, kann der DJ auch besser auf das Publikum eingehen, es „lesen" wie man immer sagt. Und das führt dann auch zu unserem nächsten Grund, warum man in kleineren Clubs besser feiern kann ...

      Die Stimmung ist besser und die Leute nicht so ernst

      Weil der DJ mehr auf das Publikum achten kann und von diesem auch eine direktere Rückmeldung bekommt, entsteht im Idealfall ein positiver Vibe, der zusammen mit dem engen Raum einem verschwitzten Rockkonzert in einem Kellerclub wie dem alten Hamburger Molotow gleicht. Fernab der Tanzfläche sind kleine Clubs ein kommunikativerer Ort als die großen Schuppen. Klar, es nervt, wenn alle quatschen und keiner tanzt. Aber prinzipiell kommst du leichter mit anderen Menschen ins Gespräch, dadurch entsteht dann eine persönliche Atmosphäre. In den großen Clubs stehen hingegen überall die bierernsten Freelance-Zombies aus den Projektgruppen irgendwelcher Agenturen herum und versuchen, Spaß zu haben. Mit ihnen zu reden, traust du dich eh nicht. Du würdest es aber ohnehin hinterher bereuen.

      Die Partys fangen früher an und gehen nicht ewig lang

      Klar findest du es auch voll cool, ewig lange in einem Club zu sein. Aber wenn du ehrlich zu dir bist, lohnt sich das doch meistens nicht. Du gehst erst um drei oder vier Uhr hin und bleibst mehrere Stunden, der nächste Tag ist gelaufen. In kleinen Clubs geht es meistens früher los, dadurch kannst du dir das ganze aufgeregte Warten zu Hause zum Großteil sparen und kommst meistens zu einer Uhrzeit nach Hause, die dir ein entspanntes Auskatern am nächsten Tag ermöglicht. Spaß hast du mindestens genauso viel, in der Regel sogar mehr.

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