18-Jährige tot – warum die Polizei trotzdem nicht vor den Ecstasy-Pillen warnt

Gefährlicher Stoff im Umlauf? In Kaiserslautern starb eine junge Frau nach Ecstasy-Konsum. Wir haben die Beamten gefragt, warum sie keine Warnung ausgesprochen haben.

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Juni 8 2017, 11:28am

Foto oben: Symbolbild. Mikael Colville-Andersen / Flickr / CC BY 2.0

Der Konsum von Ecstasy ist riskant. Weil in Deutschland ein Test der Pillen nicht legal möglich ist, ist für Konsumenten nicht klar ersichtlich, ob ihre Drogen etwa mit giftigen Mitteln gestreckt wurden oder (lebens)gefährlich hochdosiert sind. Testergebnisse aus dem Ausland sind da auch nur bedingt verlässlich, weil selbst identisch aussehende Pillen unterschiedlich zusammengesetzt sein können.

Deshalb werden beispielsweise in den Niederlanden "Pillenwarnungen" ausgesprochen, sobald risikobehaftete Pillen im Umlauf sind. Hierzulande passiert das allerdings nicht immer. Als in einem Club in Essen ein Konsument starb und weitere Personen in Krankenhaus landeten, weigerte sich etwa die örtliche Polizei, konkrete Informationen über die eingeworfene "Party-Pille" zu veröffentlichen – und riskierte somit, dass auch weitere Nutzer sich ahnungslos in Lebensgefahr begaben.


Aus dem VICE-Netzwerk: Die Wahrheit über Ecstasy:


In Kaiserslautern ist nun eine 18-Jährige "nach Drogenkonsum" gestorben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft berichten. Auch der zur Hilfe gerufene Notarzt und Rettungskräfte konnten die bereits Bewusstlose nicht mehr retten. Ihr Leben endete in der Wohnung einer Freundin.

Ihr Konsum: "zwei Ecstasy-Tabletten (…) (und) Marihuana".

In der anschließenden Vernehmung gestand der anwesende 20-jährige Freund der Freundin, dem Opfer Drogen verkauft zu haben.

Warum aber haben die Beamten bis heute zwar die Drogen öffentlich gemacht, bislang jedoch noch keine Warnung für die konsumierten Pillen ausgesprochen?

Die drei Beweggründe der Polizei

Laut Pressesprecher Bernhard Christian Erfort von der Polizei Westpfalz gibt es dafür drei Gründe. Zunächst stünde noch gar nicht fest, ob Pillen und Gras überhaupt todesursächlich sind, wie er auf Nachfrage von THUMP erklärt. Man warte schließlich noch auf das Obduktionsergebnis.

Zweitens, könnte der Mischkonsum der 18-Jährigen sogar noch umfassender sein, als in der ersten Polizeimeldung bekannt gemacht: Man habe "Hinweise darauf, dass sie noch Alkohol getrunken haben könnte", so Erfort. "Daneben könnten aber auch noch neue psychoaktive Stoffe, sogenannte Legal Highs, konsumiert worden sein, was den Todeseintritt, wegen Nichtkalkulierbarkeit der Wirkstoffe, noch eher erklären würde."

Deshalb gehe man derzeit von einer "Mischintoxikation", sprich: Mischkonsum, als Todesursache aus. Auch deshalb könne "nicht ausdrücklich vor bestimmten Pillen gewarnt werden", so Erfort.

Und, drittens, liegen diese Pillen selbst gar nicht vor. Denn bei der Verstorbenen und in der Wohnung wurden keine weitere Ecstasy gefunden. Und auch, weil derzeit keine ähnliche Fälle bekannt sind, "kann in Bezug auf die konsumierten Tabletten keine besondere Gefährlichkeit vorausgesetzt werden", erklärt der Pressesprecher.

Die Polizei geht also vorerst von einem tragischen Einzelfall aus.

Das sind die Gefahren von Ecstasy-Mischkonsum

So oder so: Mischkonsum ist eine der größten Gefahrenquellen beim Drogenkonsum. Wenn du zum Beispiel Ecstasy und Cannabis kombinierst, kann die Wirkung eine noch stärkere Erhöhung deiner Herzfrequenz und deines Blutdrucks sein, was in Kreisklaufkollapsen und Ohnmachtsanfällen münden kann. Mischkonsum von Ecstasy und Kokain aber auch Medikamenten (gerade Psychopharmaka) wiederum, kann schwere psychische Störungen auslösen. Und Alkohol – die wohl häufigste Mischung beim Ecstasy-Konsum – erhöht bei dir die Gefahr von Kreislaufproblemen und einer möglicherweiße lethalen Überhitzung, gerade in praller Festivalsonne oder einem heißen Club.

Auch Bernhard Christian Erfort schiebt aus Kaiserslautern nach: "Die Polizei warnt ausdrücklich und generell vor dem Konsum von Drogen, insbesondere auch vor deren Mischkonsum."

Übrigens: Erst im März hatten die Beamten in Kaiserslautern zwei mutmaßliche Dealer festgenommen. 30 Kilogramm Amphetamin gingen damals mit ins Netz.

Unbedarfter Drogenkonsum kann schwere körperliche und psychische Schäden verursachen. THUMP will dich nicht zum Konsum animieren, wohl aber dazu, dass du dich, solltest du Drogen nehmen, möglichst gut darüber informierst. Alle unsere Artikel zum Thema "Safer Use" findest du hier.

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