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Ketamin könnte Alkoholkranken helfen, ihre Sucht zu überwinden

Britische Forscher untersuchen gerade, ob sich durch den medizinischen Einsatz der Partydroge die Rückfallraten deutlich reduzieren lassen.

Alexander Iadarola

Photo courtesy of Wikipedia commons

Britische Wissenschaftler haben vor Kurzem bekanntgegeben, dass Ketamin zur Behandlung einer Alkoholsucht eingesetzt werden könnte. Sie arbeiten bereits an einer Studie, um ihre Hypothese zu testen. Psychologen am University College London sagen, dass es oft die mit Alkohol verbundenen Erinnerungen seien, die Abhängige rückfällig werden lassen. Ketamin könne, so ihre Theorie, dazu verwendet werden, diese Erinnerungen zu schwächen oder sogar komplett zu löschen. Dadurch könne das beliebte Anästhetikum / Partydroge dabei helfen, schädliche Verhaltensmuster zu durchbrechen, berichtet der Guardian.

"Das Hauptproblem [bei Alkoholkranken] ist die extrem hohe Rückfallrate nach der Behandlung", sagt einer der leitenden Forscher, Ravi Das, in einem Interview mit der britischen Zeitung. "Menschen schaffen kurzfristig den Absprung, wenn sie im Krankenhaus unter Beobachtung stehen ... aber wenn sie nach Hause kommen, sind sie wieder diesen Anreizen ihrer Umwelt ausgesetzt."

Im Zentrum der Forschung stehen die Akoholerinnerungen

In den Neurowissenschaften häufen sich die Hinweise, dass Erinnerungen beim Zugriff anfällig für Veränderungen sind, bevor sie wieder im Unterbewusstsein verschwinden. Das ist so, weil die Kodierung der Erinnerung während des Abrufs vorübergehend destabilisiert ist. Das macht es wiederum möglich, die Erinnerung zu modifizieren.

Die Wissenschaftler wollen bei ihren Studienteilnehmern absichtlich mit Alkohol verbundene Erinnerungen hervorrufen, diese Erinnerung stören und ihnen dann eine Ketamin-Infusion oder ein Placebo verabreichen. Die verabreichte Dosis entspräche etwa einer hohen Rauschdosis. Mehr als 50 Menschen haben bereits an der Studie teilgenommen, 90 sollen es insgesamt werden.

Auch wenn alle Teilnehmer in die Kategorie starke Trinker fallen, handelt es sich bei keinem um klinische Alkoholiker. Die Wissenschaftler wollen die Trinkgewohnheiten der Teilnehmer ein Jahr lang nach dem Versuch überprüfen und messen, ob und wie sie sich geändert haben.

Auch wenn die Psychologen erwarten, aufgrund ihres Ansatzes, Alkoholsucht mit einer anderen Freizeitdroge zu bekämpfen, auf einigen Widerstand zu treffen, sind sie von ihrer Theorie überzeugt.

Eine Partydroge gegen Alkoholismus?

"In unserer Gesellschaft herrscht diese Einstellung, dass alles Illegale schlimm ist", sagt Das. "Natürlich wird es engstirnigen Widerstand geben. Wenn es jedoch sicher und effektiv genug ist, sollte es auch angewandt werden."

Auch wenn Ketamin heutzutage vielleicht gerade als Partydroge bekannt ist, findet das Mittel vor allem in der Notfallmedizin als Anästhetikum und Analgetikum flächendeckend Verwendung. Auch aufgrund seiner kreislaufstabilisierenden Wirkung hat die Weltgesundheitsorganisation es in seine Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufgenommen. In den letzten Jahren wurden zunehmend Studien zum Einsatz von Ketamin bei der Behandlung von Depressionen durchgeführt.

Letztes Jahr hat THUMP mit einem Assistenzprofessor für Notfallmedizin und medizinische Toxikologie von der University of Colorado darüber gesprochen, warum die Droge bei Partygängern so beliebt ist.

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