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#ThumpsUp—Die Musikvideos der Woche (3)

Diesmal in #ThumpsUp: Ambientstudien von Koen Holtkamp, Autorennen mit Kangding Ray, eine Reise nach Halle mit Dave DK und 3D-Drucken mit Cut Copy.

Neue Woche, neue Videos! Diesmal in unserem diensttäglichen Musikvideo-Roundup #ThumpsUp: Ambientstudien von Koen Holtkamp, Autorennen mit Kangding Ray, eine Reise nach Halle mit Dave DK, die weite Wüste mit Forest Swords und 3D-Drucksachen mit Cut Copy.

Koen Holtkamp, „Endlessness", Thrill Jockey


Dir: ?

Beginnen wir den Tag ihm Zen-Modus: die wenigsten Musikstücke können Titeln wie „Endlessness" naturgemäß nachkommen—John Cages As Slow as Possible in Halberstadt mal ausgenommen—aber die Verlangsamung und Zerdehnung von Zeit schaffen einige dennoch. Der in Brooklyn lebende und arbeitende Ambient-Künstler Koen Holtkamp (eine Hälfte des Duos Mountains) hat nun ein Musikvideo zu seinem 21-minütigen Stück „Endlessness" veröffentlicht: es plätschert das Wasser, Wellen brechen die Spiegelung der Oberfläche, das Nass fließt gemächlich den Berg herab—passend zu den meditativen Klängen von Holtkamps Motion-Album, das Ende März auf Thrill Jockey erscheinen wird.

Plaid and Bruno Zamborlin, „EL EX", Mogees


Dir: Bruno Zamborlin

Ist das noch ein Werbespot, oder vielleicht doch schon wieder ein Musikvideo? Im Falle von Mogees—einem derzeit auf Kickstarter in Finanzierungsphase befindlichen Klanggerätes, das alle erdenklichen Oberflächen in spielbare Klangerzeuger und -verstärker verwandeln soll—ist die Sache nicht ganz eindeutig: Klar, im Mittelpunkt von „El Ex" steht der Mogees. Die Musik wurde allerdings von den britischen Experimentalmusikern Andy Turner und Ed Handley alias Plaid veröffentlicht. Wer sich nur ansatzweise mit dem Warp-Katalog beschäftigt hat, wird in der Vergangenheit auch auf Plaid gestoßen sein—schließlich veröffentlichen die beiden Briten schon seit 1997 bei Warp. Im Clip zu „El Ex" wird der Bauzaun zur Harfe, der Radiator zur Sitar, Hartgeld zum Glockenspiel und ein Draht zur Bassdrum. Der Mogees des Erfinders Bruno Zamborlin ist sowas von gekauft!

Supreme Cuts, „Envision" feat. Channy (of Poliça), Memphis Industries


Dir: Braden Lee

Genug jetzt der Klimperklänge! Die neue Single der Supreme Cuts mit Channy von Poliça am Gesang holt uns gleich auf den Boden der Tanzfläche zurück. Das Musikvideo zu „Envision" erzählt von ausschweifenden Partys bei Privat und im Waschsalon, von der Weite des Landes, und im Product-Placement-Part von der Großartigkeit von Palace Skateboards.

Kangding Ray, „Blank Empire", Raster-Noton


Dir: Kangding Ray

Was machen eigentlich The29Nov Films so? Eigentlich wirkt das neue Musikvideo zu „Blank Empire" von Kangding Ray wie dem Geiste der Novemberfilmer entsprungen. Wir sehen: schwarz-weiße Archivaufnahmen des rasenden Höllenhundes Mike Hawthorn, als Autorennen noch so richtig gefährlich waren (Hawthorn wurde übrigens nur dreißig Jahre alt). Das passt visuell ganz gut zu dem monoton blasenden Kangding Ray-Track, bei dem Synth-Effekte immer mal wieder von links und rechts überholen und der Motor obertourig rattert.

Dave DK, „Woolloomooloo", Pampa Records


Dir: Romy Steyer, Leonard Lehmann

Der neue Pampa-Track mit dem herrlich bescheuerten Namen: „Woolloomooloo"—man muss ja automatisch an eine Abstraktion des großen Koze-aka-Adolf-Noise-Albums von 2005 denken: Wo die Rammelwoolloomooloo fliegt … Aber Scherz beiseite: Im Musikvideo zu Dave DKs „Woolloomooloo" von Romy Steyer und Leonard Lehmann begleiten wir einen Jungen auf seinem Weg durch HaNeu, genauer: die Plattenbaukulisse von Halle-Neustadt, der von der DDR-Führung großzügig dimensionierten Großplattensiedlung. Das Schwarz-Weiß-Bild tut sein Übriges: Einwohner und Locals werden natürlich widerversprechen, aber wie's Video daliegt bekommt man in der Gussbeton-Tristesse die tollsten Depressionen. Keine Depressionen bereitet das Musikmaterial: Dave DK arbeitet hier mit einem fetten Groove, auf der A-Seite der neuen Pampa-12" hat das amerikanische Duo Ricoshëi seinen Mini-Hit „Perfect Like You" untergebracht.

Daughter, „Home" (Jon Hopkins Remix), Just Music


Dir: Ryan Celsius

Ein weiterer Beitrag aus der losen Reihe ‚Es gibt kein offizielles Musikvideo, also schneide ich mir selber eines.' So wird Ryan Celsius gedacht haben, als er den Jon-Hopkins-Remix zu „Home" von Daughter auf die Bilder des Spielfilms How I Live Now geschnitten hat. Das Eine hat mit dem Anderen insofern zu tun, als dass der Remix im Soundtrack auftaucht—daneben lassen sich auch Botschaften vom Zuhause, von Verbunden- und Verwachsenheit mit Orten und einem gewissen romantischen Kitsch heraussehen.

Julio Bashmore, „Peppermint" feat. Jessie Ware, Broadwalk Records


Dir: Noah Harris

Eigentlich war hierzu ja schon alles gesagt—Track und Clip sind aber dann doch zu fett, um sie nicht noch ein zweites Mal zu erwähnen.

Forest Swords, „The Weight of Gold", Tri Angle


Dir: Benjamin Millepied

Lesson learned: Betonruinen gibt es auch in der endlosen Weite der Wüste. Benjamin Millepied installiert modernen Tanz im neuen Musikvideo für Forest Swords, als Kulisse dafür wurde ein verlassener Rohbau am Arsch der Welt gewählt. Den traumtanzenden Protagonisten hält es in seiner Isolation allerdings nicht lange, auch er muss zwischendurch mal in die Zivilisation: immer an der Pipeline entlang, über sich windende Passstraßen bis ans Meer.

Pink Skull, „Mutant Comfort", My Favorite Robot


Dir: A. Bill Miller

„Gridworks" nennt A. Bill Miller seine ineinander verwobenen 3D-Renderings von Buchstabenkolonnen und gittermodellierten Würfeln. Das neue Pink Skulls-Musikvideo ist nun vollgepackt damit: knallbunte Shapes reagieren im Takt der Musik, dazu flattern fröhlich Ascii-Elemente durch den Raum.

Cut Copy, „We Are Explorers", Modular


Dir: Masa Kawamura, Qanta Shimizu, Aramique

Wieder was gelernt: mit 3D-Druckern scheinen sich ja auch andere Dinge als nur Knarren bauen zu lassen. Cut Copy sowie das Regieteam Masa Kawamura und Qanta Shimizu demonstrieren das jedenfalls vortrefflich: Im „We Are Explorers"-Video flaniert ein 3D-ausgedrucktes Granulatpärchen in Stop Motion durch die Nacht, baut ein Boot aus Luftpolsterfolie und bricht schließlich todesmutig auf ins offene Meer.

Der Klassiker der Woche

Aphex Twin, „Ageispolis", Apollo, 1992


Prism Leisure Video

—Kein Kommentar—

Mehr Musikvideos findest du in den früheren Ausgaben von #ThumpsUp.

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