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      Vergiss Berliner Clubs — das echte Leben findest du auf WG-Partys!


      WG-Partys sind in einer gewissen Phase deines Lebens der Shit. In einer Phase, in der du über nicht allzu viel Kohle verfügst und dir die 15 Euro Eintritt fürs Berghain lieber sparst, was genauso auch für die drei Euro pro Bier und acht Euro pro Gin Tonic in irgendwelchen Schicki-Bars gilt. Meist hast du in dieser Phase ein recht lockeres Leben in einer eigenen Wohnung, in das dir weder deine Mutter noch Ehefrau und Kinder reinreden, sondern höchstens deine Mitbewohner, die sich bestenfalls in derselben Phase befinden. Weil WG-Partys geil sind und deine Einrichtung eh aus auf Flohmärkten billig gekauften und aus deiner Jugendeinrichtung übrig gebliebenen, zusammengewürfelten Schrankwand-Kombinationen besteht, musst du dir keine Sorgen machen, dass bei einer Party etwas kaputt gehen könnte. Ach und das bisschen Putzen am Sonntag ist auch okay, weil du ja dafür den Rest des Jahres bei anderen Leuten auf den WG-Partys abhängst. Kurz gesagt: Du bist jung, hast keine feste Bindung und überhaupt: YOLO.

      Ach so, es kann natürlich auch sein, dass du nur zu Besuch in Berlin bist und normalerweise in einer ganz anderen Stadt lebst. Die Bars und Clubs der Stadt hast du schon kaputtgefeiert, aber du willst dir unbedingt mal einen Einblick in das echte Berlin gewinnen, das Berlin, das den meisten Touristen verborgen bleibt: Du möchtest in die oben beschrieben Partyszene eintauchen. Das ist nicht ganz einfach, weil WG-Partys sich naturgemäß im Privaten abspielen. Aber es ist machbar.

      Hier also ein kleiner Guide für WG-Party-Touristen:

      Lerne die richtigen Leute kennen

      Foto via Flickr | iZeitfixierer| CC BY 2.0

      Es ist für einen Ortsfremden relativ schwierig, in Berlin auf eine coole WG-Party zu kommen. Berliner stehen — das dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben — Touristen grundsätzlich eher skeptisch gegenüber. Allerdings bezieht sich dieses Vorurteil auf größere Gruppen, niemals auf Einzelne. Wenn du es über diese erste Hürde hinweg schaffst, erweisen sich Berliner als sehr weltoffen und interessiert. Außerdem sind sie äußerst lokalpatriotisch. Wenn du ihnen also Honig ums Maul schmierst und erzählst, wie toll ihre Stadt ist, freut sie das. Eine kleine Chance hast du also, wenn du in einer Kneipe, im Park oder im Späti jemanden in ein Gespräch verwickelst und deinen neuen Kumpel dazu bringst, dich zu einer WG-Party mitzunehmen. Vor allem in studentischen Kreisen kennt jeder irgendwen, der heute oder morgen Nacht eine Party schmeißt. Lade dich also einfach selbst mit ein. Wenn du in Begleitung eines Locals auf eine WG-Party kommst, kann nichts mehr schiefgehen.


      Finde die richtigen Orte

      Foto via Flickr | iZeitfixierer| CC BY 2.0

      Solltest du niemanden vor Ort kennen oder an deinem ersten Abend in einer Bar, vorm Späti oder im Supermarkt kennenlernen, bleibt noch eine andere Möglichkeit: Finde den richtigen Ort. Zugegeben, keine so einfache Aufgabe für jemanden, der sich in Berlin nicht auskennt. Aber wenn du in einer Gegend bist, in der viele junge Berliner wohnen und du einfach mal Augen und Ohren offen hältst, wirst du mit Sicherheit die ein oder andere WG-Party mitbekommen. Hinweise auf eine WG-Party: Unten vor der Tür hängen ein paar Leute ab, trinken Bier und rauchen. Du hörst den Lärm aus der Wohnung oben. Du blickst hinauf und siehst, dass der Balkon aus allen Nähten platzt. Bingo. Versuch's doch einfach mal in der Neuköllner Weserstraße (inkl. direkter Umgebung) im Wrangelkiez in Kreuzberg oder im Reuterkiez dazwischen.


      Trau dich

      Du musst nicht eingeladen sein, geh einfach rein. Die meisten hier kennen den Gastgeber auch nur über die Cousine von der Schwester eines Freundes, also mach dir keinen Kopf. Falls dich doch jemand direkt darauf anspricht, was zur Hölle du in der Wohnung verloren hast, sag einfach, dass du mit Anna da bist. Es gibt immer eine Anna. Oder du spielst mit offenen Karten und sagst, dass du ein Tourist bist und gehört hast, dass WG-Partys in Berlin legendär sind. Du wirst an diesem Abend jede Menge neue Freundschaften schließen.


      Falle nie unangenehm auf

      Foto via Flickr | Christian Klöppel | CC BY 2.0

      Es kann, gerade bei größeren WG-Partys, und du solltest dir für den Anfang eine größere Party suchen, gut sein, dass sich erstmal gar keiner weiter für dich interessiert. Das wird sich mit Sicherheit bei steigendem Alkoholkonsum ändern, ist aber erst einmal ein gutes Zeichen. Denn es ist besser nicht aufzufallen als unangenehm aufzufallen. Denk dran, du bist auf einer Privatparty in einer Wohnung in der normale Menschen normalerweise leben. Es wird deshalb nicht besonders gut ankommen, wenn du Mobiliar zerstörst, an eine Wand kotzt Bier über die Anlage schüttest oder völlig druff der Gastgeberin an die Wäsche gehst. Gerade wenn du nicht eingeladen bist, solltest du dich benehmen, ehrlich.


      Gib dich generös, auch wenn du es gar nicht bist

      Wir haben in der Intro dieses Textes bereits erwähnt, dass der primäre Grund, seine Zeit auf einer WG-Party zu verbringen, das Geld ist. WG-Partys sind billig, daher sind sie ein Magnet für coole, kreative Anfangzwanziger, die zu viel mit Studieren, kreativ Sein und Leben beschäftigt sind, als dass sie dabei auch noch Geld verdienen könnten. All das ist gut, denn solche Menschen garantieren gute Partys, vollkommen unabhängig davon, ob du dir persönlich den Eintritt zum Berghain leisten könntest. Du kannst hier also Geld sparen. Trotzdem solltest du dich unbedingt generös zeigen. Hey, du bist Gast und du kennst niemanden! Du musst etwas mitbringen. Und zwar nicht nur die Chianti-Flasche aus dem Späti für 1,70 Euro. Kauf ruhig was Leckeres für gute zehn Euro, das ist immernoch weniger als die Taxifahrt später nach Hause. Und eine Schachtel Kippen, die du offenherzig mit jedem teilst, der fragend guckt, ist auch immer eine gute Idee. Es gibt nichts Sympathischeres als Menschen, die Kippen teilen. Mach dir Freunde.

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