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Trotz schlechter Pillen, Polizeirazzien und Partyverboten: Ibiza boomt wie nie

Der Partytourismus scheint am Ende, doch die Insel platzte in diesem Jahr aus allen Nähten.

Philipp Kutter

Haben offenbar viel Spaß: Besucher des Clubs El Divino Elvissa im Jahr 2003. Foto: Imago/Imagebroker/Siepmann

Ibiza ist eine der Ikonen der Clubkultur. Doch in letzter Zeit hat die Partyinsel vornehmlich schlechte Schlagzeilen gemacht. Lebensgefährliche Ecstasy-Pillen, Polizeirazzien in Clubs, Trinkwasserprobleme und zu guter Letzt auch noch ein Strandpartyverbot für tINi. Ein Partyverbot! Auf Ibiza! All das muss doch zusammengenommen ein Zeichen für das Ende der Insel sein. Und für den Tourismus, schließlich war dieser immer eng mit den Feiermöglichkeiten verbunden. Wenn du das denkst, liegst du falsch. Denn Ibiza boomt wie nie.

Wie das Lokalblatt Diario De Ibiza berichtet, haben von Januar bis Oktober diesen Jahres über 7 Millionen Menschen Ibiza besucht. Das sind nicht nur 15 % mehr als im gleichen Zeitraum 2015, sondern ist auch ein neuer All-Time-Rekord für die Insel. Wie kam es dazu?

Ibizas Tourismusbeauftragter Vicent Torres begründet den Anstieg der Besucherzahlen mit ungewöhnlich vielen Gästen in eigentlich schwachen Monaten wie dem Oktober. Im Vergleich zum Vorjahr kamen dieses Jahr 33 % mehr Touristen im Oktober nach Ibiza.

Juanjo Riera, Vorsitzender der Hotelvereinigung auf Ibiza, sieht die Insel außerdem als Profiteur des sogenannten "borrowed tourism". Viele Touristen hätten Ibiza als Urlaubsort gewählt, weil ihre primären Reiseziele wie die Türkei oder Ägypten massive Sicherheitsprobleme hatten oder immer noch haben. Das seien "außergewöhnliche Umstände", die zum Anstieg der Besucherzahlen geführt haben.

Nächstes Jahr könnten sich die Zahlen ganz anders entwickeln. Nicht nur aufgrund der möglicherweise veränderten Sicherheitslage in den anderen beliebten Reiseländern, sonder auch aufgrund der einschneidenden Veränderungen in Ibizas Clublandschaft. Einer der beliebtesten Clubs der Insel, das Space, hat vor kurzem sein Closing gefeiert. Wie es unter den neuen Besitzern weitergeht, ist noch nicht klar, denn gegen sie wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Ein Partytourismusmagnet fällt damit möglicherweise in Zukunft weg. Außerdem bleibt abzuwarten, was mit den zahlreichen Clubs passiert, in denen die Polizei Razzien durchgeführt hat. Die Pacha Group, der mehrere Clubs auf Ibiza gehören, wurde vor kurzem verkauft. Wie es dort nun weitergeht, ist ebenfalls noch unsicher.

Weniger Gäste wären für die Insel aber durchaus gut, denn sie platzte in den letzten Jahren zunehmend aus allen Nähten und hat dadurch schon Probleme, genug Trinkwasser für alle zur Verfügung zu stellen. Der ehemalige Besitzer de Pacha Group, Ricardo Urgell, übte gegenüber Diario De Ibiza außerdem Kritik an der Musik- und Clubindustrie: "Auf der Insel gibt es viele zerstörte Gegenden, die nur schwer wieder herzurichten sind. Wenn wir mit dieser Geschwindigkeit weitermachen, wird es im Norden bald vielleicht auch so sein. Wir können nicht überall Musik haben."

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