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Die Komikerin Jilet Ayse unterstützt das Solimate-Projekt

Flüchtlingshilfe aus der Flasche – so säufst du solidarisch an der Bar

THUMP Staff

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So schmeckt die Wodka-Mate am Wochenende vielleicht noch besser: Wir haben mit den GründerInnen von "Solimate" über ihr soziales Getränkeprojekt und Thomas De Maizières Thesen zur Leitkultur gesprochen.

Die Komikerin Jilet Ayse unterstützt das Solimate-Projekt

Screenshot oben aus dem YouTube-Video "Solidrinks - Support Refugees" von Solidrinks

Im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise haben sich auch in der Clubkultur Initiativen gebildet, die Geflüchtete auf vielfältige Weise unterstützen. Am bekanntesten ist vermutlich die Plus1-Kampagne, über die THUMP schon mehrfach berichtete. Vielleicht ist dir in letzter Zeit aber auch noch ein anderes solidarisches Projekt aufgefallen, das du nicht an der Clubkasse, sonder durch deine Bestellung an der Bar unterstützen kannst: die Solimate. Bisher gibt es die vor allem in Berliner Clubs und Bars. Dahinter steht das soziale Getränkeprojekt Solidrinks, das laut Flyer "lokale Initiativen von und für Geflüchtete unterstützt und ein Zeichen gegen Diskriminierung und Rassismus setzt."

Pro verkaufter Flasche, deren Inhalt aus fair gehandelten Bio-Produkten besteht, fließen 15 Cent in das Projekt, bei dem Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete zusammenarbeiten. Der Verkaufserlös geht zu 100 % an Vereine wie Women in Exile, Champions ohne Grenzen, KuB und Bag Mohajer Bag for Good. Auf den Flaschenetiketten finden sich Botschaften über die jeweiligen Initiativen und aktuelle politische Themen.

Seitdem die erste Mate im Juni 2016 in Berlin abgefüllt wurde, ist das Projekt stetig bekannter geworden und wurde sogar für den deutschen Integrationspreis der Hertie-Stiftung nominiert. Zeit, mal nachzufragen, wer hinter diesem Projekt steckt. Wir haben mit Frauke Wiegand, einer der Mitgründerinnen, über die Idee der Solimate, inklusive Arbeitsmodelle, Integration und Thomas De Maizières jüngsten Vorschlag für eine deutsche Leitkultur gesprochen.

THUMP: Frauke, wie ist die Solimate entstanden?
Frauke Wiegand: Das fing in Robertas WG an, der Initiatorin des Projektes. Die hat zu diesem Zeitpunkt, im Herbst 2015, schon lange mit Geflüchteten zusammengewohnt, bevor es dieses Projekt "Flüchtlinge Willkommen" gab. Wir haben überlegt, was man machen könnte und gesehen, dass es viele selbstorganisierte Projekte von Flüchtlingen gibt. Die wollten wir unterstützen.

Und warum dann Mate?
Es sollte ein Produkt sein, das sich jeder leisten kann und das für jeden sichtbar ist, um dadurch auf unsere Spendenaktionen hinzuweisen. Über die verschiedenen Geflüchteten-Inis, für die wir sammeln wollten, sollte man außerdem auch etwas erfahren. Denn viele von denen stehen für politische Forderungen, die so nicht auf der Agenda der Öffentlichkeit stehen. Dann haben wir überlegt, welches Getränk von vielen getrunken wird und sind schnell bei Mate gelandet und haben ein sehr gutes Rezept entwickelt. Es sollte halt auch gut schmecken und nicht nur Charity sein. Die erste Mate haben wir dann im Juni 2016 abgefüllt.

Ihr habt laut eurer Homepage ein "inklusives Arbeitsmodell". Was heißt das?
Das heißt, dass wir von Anfang an Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete mit in die Arbeit einbezogen haben. Wir haben dann ein Tandem-Modell entwickelt, das heißt zwei Leute teilen sich ein Projekt.


Aus dem VICE-Netzwerk: Der Krieg der Anderen: Warum Deutsche gegen den IS in den Kampf ziehen


Kriegen die Geflüchteten einen Lohn?
Derzeit arbeiten wir noch ehrenamtlich. Wir haben gerade eine Crowdfunding-Kampagne gemacht, um die Geflüchteten im Team zuallererst bezahlen zu können. Denn für die ist es am wichtigsten, einen anerkannten Arbeitsplatz zu haben. Aus eigener Kraft können wir das leider noch nicht machen und sind auf externe Förderung angewiesen.

Ihr seid hauptsächlich in Berlin aktiv, plant aber auch, das Projekt auszuweiten.
Es gibt schon Händler in Hamburg, Mannheim, Köln und Aachen, da gibt es ein kleines Festival. Es gibt Pläne für München. Wir haben sogar schon nach Göteborg exportiert.

Vor wenigen Tagen hat Thomas De Maizière die Leitkulturdebatte wieder aufgenommen. Ihr seid ja auch ein Integrationsprojekt. Was haltet ihr von seinen 10 Punkten für eine deutsche Leitkultur?
Das ist weder fair noch bio, was de Misère (sic!) sagt. Eigentlich würden wir das am liebsten ignorieren, laut lachen, Socken in Sandalen tragen und sagen: trinkt mehr Solimate zur Weißwurscht, das bringt Deutschland weiter. Aber die Debatte ist zu groß, um sie zu ignorieren. Und gefährlich. Unsere Flaschen halten dagegen und bringen andere Werte auf die Agenda: Rassismus benennen und dagegen ankämpfen; Bewegungsfreiheit und Menschenrechte für alle.

Was heißt Integration denn für euch?
Wir lehnen das Konzept, wie Integration in Deutschland bisher betrieben wurde, ab. Der Gedanke der Integration fängt schon mit einem verqueren Blick an. Denn man überlegt nicht: Was für verschiedene Menschen habe ich hier und wie können die gemeinsam etwas leisten? Stattdessen gibt es eine Gruppe, die sagt, wo es lang geht, und die anderen müssen dem folgen. Da wird eine Norm konstruiert, an die sich alle zu halten haben. Integration ist in Deutschland oft Assimilation, das sieht man an den Konzepten der Bundesregierung. Auch viele Integrationsprojekte sind meistens dadurch gekennzeichnet, dass da weiße Deutsche etwas Gutes tun. So sollte Austausch und Vielfalt aber nicht funktionieren.

Deshalb haben wir auch Jilet Ayse gefragt, ob sie für uns in einem Video auftreten will. Denn sie bringt das immer ganz gut auf den Punkt, dass Deutschland dazulernen muss in Sachen Integration. Solange der NSU-Fall nicht genauso verhandelt wird wie angeblich muslimische Terroristen und IS-Angehörige, haben wir ein Problem. Die Debatte um Integration muss nachhaltig geführt werden.

Wenn du am Wochenende solidarisch tanzen gehen willst (in Berlin), dann kannst du das u.a. heute am frühen Abend bei "Disappearance Refugee Benefit" mit Laurel Halo, Kablam, Yves Tumor u.w. sowie am Sonntag mit u.a. Tiefschwarz und Clint Stewart bei "Life Act: Solidarity with East Africa" tun.

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